Stanzacher Steinmandl (1.909 m)

Gipfelschau vom Steinmandl hinab ins Lechtal und hinüber zu den Allgäuer Alpen

Gipfelschau vom Stanzacher Steinmandl

Tourensteckbrief Steinmandl

Gebirgsgruppe: Lechtaler Alpen (Namloser Tal)

Charakter: Teils sehr steile Bergwege

Talort: Stanzach 939 m (Tiroler Lechtal), Abzweig Fahrstraße Namloser Tal (1.142 m)

Alm, Jausenstation, Berghütte: Gaststätten in Stanzach und Namlos

Gemütliche Ferienwohnung: Residence Sonnleiten

Gipfel: Steinmandl (1.909 m)

Gehzeiten: Abzweig Fahrstraße Namloser Tal - Gipfel Steinmandl ca. 2 Stunden

Übersichtskarte Google Maps Stanzacher Steinmandl (1.909 m)

Stand 20. August 2008

Aufstieg zum Steinmandl

Auf der Fahrstraße von Stanzach nach Namlos circa 2 Kilometer ins Namloser Tal hinein und dem Wegweiser "Steinmandl" folgen.

Der angegebenen Gehzeit von 3 Stunden auf dem alten Holzwegweiser kann man getrost mißtrauen. Für die knapp 800 Höhenmeter sind etwa zwei Gehstunden zu veranschlagen.

Steil, steiler ... Steinmandl. Der Steig führt diritissima und teilweise äußerst steil durch Bergwald und Latschen zum Gipfel mit grandioser Aussicht.

Die Gehzeit von 3 Stunden auf dem alten Holzwegweiser stimmt nicht!

Holzwegweiser

Steiler Aufstieg, die Aufwärtsperspektive verflacht!

Steiler Aufstieg

Blickfang Hochvogel

Hochvogel

Kurz vor dem Gipfel

Kurz vor dem Gipfel

Panorama Steinmandl

Vom Gipfel des Steinmandl hat man eine unvergleichliche Aussicht ins Lechtal und hinüber zu den Allgäuer Alpen mit der dominanten Berggestalt des Hochvogels.

Das Steinmandl ist trotz der tollen Gipfelschau ein relativ ruhiger und wenig besuchter Aussichtsberg geblieben, vielleicht weil andere Gipfel wie die Mittagspitze das Steinmandl überragen und das Gipfelkreuz des Steinmandls nur einen Vorgipfel im Mittagspitzgrat markiert.

Die Mittagspitze überragt den Gipfel des Steinmandls um mehr als 300 Höhenmeter.

Mittagspitze

Das Tiroler Lechtal, eine der letzten Wildflusslandschaften Europas

Lechtal

Vorderhornbach und der Hochvogel

Vorderhornbach

Die Pyramide des Hochvogels im Zoom

Hochvogel


Steinmandl (1.909 m) auf einer größeren Karte anzeigen

Geschichte eines Gipfelkreuzes: Das "Dollfuß-Kreuz" auf dem Steinmandl

Wie bewegt die Geschichte eines Gipfelkreuzes sein kann, ist der folgenden Beschreibung zu entnehmen, die ich im Gipfelbuch auf dem Steinmandl fand.
Die Geschichte des "Dollfuß-Kreuzes" hat auf mich einen so starken Eindruck gemacht, daß ich die Beschreibung mit der freundlichen Einwilligung des Verfassers - wie ich hoffe - wiedergeben darf:

 

Hier auf dem Steinmandl – einem Absatz des Mittagspitzgrates, auf 1.909 m Höhe – blickt man zwar auf die meisten umliegenden Gipfel noch hinauf, die Geschichte dieses Berges samt seines Kreuzes ist aber etwas Besonderes und übertrifft jene der meisten „größeren Nachbarn“. 

Bereits im Jahre 1934 wurde hier zum Gedenken an den ermordeten österreichischen Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß ein lärchenes Kreuz errichtet und es ist für viele Stanzacher heute noch das „Dollfußkreuz“. 

Im ersten Gipfelbuch – es wurde anläßlich der Kreuzeinweihung am 27.10.1934 hier eingerichtet – beschreibt der damalige Bürgermeister Alois Maldoner die Entstehungsgeschichte:

Die Ausarbeitung dieses Lärchenkreuzes vollführte der 65jährige Alt-Bgm. Adolf Lechleitner und Jakob Maldoner, Wagner aus Stanzach.

Die Transportierung des Kreuzes erfolgte an einem herrlich schönen Herbsttage des Gemeindefeiertages (Wendelin), dem 20.10.1934. Der Aufstieg erfolgte vom Kar-Rücken ca. 500 m von hier weiter unten und ging langsam und anstrengend in Folge des 20 – 30 cm gefallenen Neuschnees von sich und dauerte nahezu zwei Stunden bis man hier am Ziele anlangte. Trotzdem waren alle in ausgezeichneter Stimmung, besonders als noch die zahlreich gespendeten Schnäpse, Zigaretten und hier heroben aufgewärmten Würste zur Verteilung gelangten. Nach erfolgter Einbetonierung des Kreuzs schritt man zum gemeinsamen Abstieg. Anschließend fand man sich noch auf einige gemütlichen Stunden im GH „Krone“ und  „Post“ zusammen.

Am Christkönigsfest, dem 27.10.34, an einem herrlich klaren Herbsttage, wurde die Weihe des Kreuzes unter sehr großer Beteiligung der Stanzacher Bevölkerung vorgenommen. Die Teilnehmerzahl betrug über 100, die anschließend eigenhändig vermerkt sind. Der Jüngste zählte fünf, der Älteste 67 Jahre. Schon um die Mittagstunde begann gruppenweise der beschwerliche Aufstige über den von Neuschnee bedeckten Kar-Rücken und es langten die letzten Bergwanderer erst um drei Uhr früh oben an, wo selbst der Weiheakt mit mitgebrachten Böllern eingeleitet wurde und so dem ganzen ein überaus feierlich erhabenes Gepräge gegeben war. Herr Pfarrer Allgäuer nahm die Weihe des schön verzierten Kreuzes vor; anschließend er in ergreifenden Worten über Sinn und Zweck des erstandenen Kreuzes sprach. Weitere Ansprachen hielten der Bürgermeister, Alt-Bürgermeister, Gendarmerie-Inspektor und der Ortsleiter der Vaterländischen Front. Den Abschluß des Weiheaktes bildeten zwei vom Männergesangsverein gesungene Lieder und wiederum die donnernden Böller verkündeten dem Talbewohner den Abschluß der Bergfeier. Wohl jedem, der am heutigen Tage hier oben anwesend war, bleibt das in bleibender Erinnerung. Abends war hier noch bengalische Kreuzbeleuchtung.

Dieses Kreuz wurde auch zum Schutze gegen die Gefahren dieses Berges von der Gemeinde Stanzach errichtet. Nachdem schon fast 30 Jahre früher fast ein Drittel der Felder Stanzachs von hier aus übermurt und vernichtet worden war. 

Gipfelkreuze waren zu dieser Zeit noch eine Seltenheit und dieses hier war sogar auf einem Steig erreichbar! So kam es, daß sich bereits in den 30er Jahren das Steinmandl – dort hieß es noch „Dollfußkreuz“ - eines regen Besuches erfreuen konnte. Vor allem „Arbeitsdienstler“, die bei der Lechverbauung im Arrig stationiert waren, wanderten an schönen Wochenenden gerne hier herauf und beschrieben in überschwenglicher Weise die schöne Aussicht auf Stanzach und das Lechtal.

Wie sorgfältig die Gipfelbucheintragungen genommen wurden, beweist jene von Hartmann Lechleitner, der ein Jahr nach der Kreuzeinweihung mit einer Fotografie seines Sohnes Josef (..am Gipfelkreuz lehnend) nachweist, daß dieser – mit seinen 5 Jahren und 2 Monaten – der jüngste Teilnehmer an der Bergmesse war. 

Arthur Lechleitner (ein Bruder von „Post-Pepi“ - dem damaligen Postwirt aus Stanzach) unternahm damals schon geführte Wanderungen und brachte einige Jugendgruppen hier herauf, die im Gasthof „Post“ ...

... untergebracht waren. Die nachweislich ersten Winterbesteigungen sind auch auf Post's Arthur zurückzuführen (5.1. u. 22.3.1936). Er schwärmte über die guten Schneeverhältnisse (1 ½ m Pulverschnee), wenngleich ihn aber ein anderer Mangel quälte: „Bei herrlichem Wetter und tiefem Schnee – doch der Durst ist groß – Oh weh!“ 

Gottlieb Gapp beschreibt (in einer bestechend schönen Handschrift) wie abenteuerlich er mit seinen Bergkameraden Richard Friedle und Josef Ulses am 30.8.1935 von der Stablalm aus über die Mittagspitze zum Steinmandl kam. Es waren kühne Burschen, denn in Ermangelung eines Seiles beutzten sie Mäntel, Röcke und Rucksäcke zum Abseilen und Überqueren der schwierigen Passagen. „Nach drei Stunden schwierigen Kletterns fanden wir hier am Dollfußkreuze endlich Rast!“ 

Einige Bergsteiger erkannten schon im Sommer 1936 die Zeichen der Zeit – nur wahrscheinlich mit einem anderen Vorzeichen. So wurde am 21.6.36 das Abbrennen von Sonnwendfeuern beschrieben und mit folgendem Schlußsatz beendet: Möge die nächste Sonnenwende auch eine Schicksalswende werden – Glück auf!“ - Leider ging dieser Wunsch in Erfüllung! 

So enden auch die Eintragungen im ersten Gipfelbuch nach 23 Seiten am 9.9.1937. Nach mehreren bestätigten Quellen konnte es Albert Strohbach – ein beherzter Pazifist aus Stanzach – nicht mitansehen ... „wie auf den Bergen, der Urstätte der Ruhe und des Friedens, so widerliche Hetzparolen ins Gipfelbuch geschmiert werden.“ Entschlossen holte er das Gipfelbuch ins Tal herunter und wollte es nach den Kriegswirren wieder an seinen zugewiesenen Ort bringen, wozu es jedoch nicht mehr kam.

Noch ein paar Zeilen zu diesem Mann ...

Albert Strohbach war ein Ausnahmealpinist, zu seiner Zeit wohl einer der besten Bergsteiger unserer Region. Er bestieg die Lechtaler Berge auf oftmals schwierigen, ungewöhnlichen Routen, wie bsplw. die Nordwände der Klimmspitze, der Elmer Kreuzspitze und sogar jene der Freispitze! Sein besonderes Interesse widmete er aber dem Winterbergsteigen und so verfasste er bereits zu dieser Zeit ein Manuskript für einen Schiführer (Winterführer vom Fernpaß zum Arlberg – 200 Skirouten in den Lechtaler Alpen), was aber leider nie in den Druck gelang (Interessierte finden dazu einen Artikel im Heft-Nr. 52 der Zeitschrift „BERGE“).

Albert Strohbach fügte das Gipfelbuch seinem Nachlaß zu, wo es „auf wunderbare Weise“ nach fast 65 Jahren wieder zum Vorschein kam und Zeugnis über ein Stück Stanzacher Geschichte ablegt. 

Das erste Lärchenkreuz stand beinahe 40 Jahre, bis es im Frühjahr 1971 ein heftiger Föhnsturm umriß und den Querbalken herunterschlug. Bald jedoch beschlossen Stanzacher Bergsteiger, wie z.B. Wilhelm Prantner, Markus Koch, Georg Schennach u.a. das Steinmandl-Kreuz wieder zu errrichten. Sie fertigten einen neuen Querbalken an, kürzten den Längsstamm und stellten es am ursprünglichen Ort auf. Den herausgeschnittenen Stumpf, der ein Stück in den Boden reichte, nahmen sie mit ins Tal. Am Abend wurde dieses Relikt „auf der Post“ versteigert und so war die Zeche der Kreuzerrichter auch schon bezahlt. Sie hatten also früher auch schon gute Ideen... 

Beinahe 30 Jahre dauerte es, bis die Naturgewalten wiederum zeigten, daß auch ein lärchenes Gipfelkreuz vergänglich ist – es hielt den Winterstürmen 1997 nicht stand. Und wieder zogen Männer und Burschen aus Stanzach herauf, um ihrer Verbundenheit zu den Bergen im Allgemeinen und zu diesem Gipfel im Besonderen ein Zeichen zu setzen. Diese Geschichte ist wieder – wie hier heroben so üblich – im neu eingerichteten Gipfelbuch nachzulesen. 

Und so wie das neue Steinmandl-Kreuz nun hoffentlich lange den Stürmen der Natur standhält, mögen die Menschen, über denen es wacht, die Stürme der Zeit gut überstehen – nie vergessend, daß keines ihrer Werke ewig währt.

Berg Heil! 

(Andreas Bauer, Stanzach)

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